Moriz Rerer


Die schöne Schweiz


Manuskript



Zweite Fassung 4., 8.2001. Poliert 7.2003. Das ist ein freier Text. Unverändertes profitfreies Kopieren erlaubt.
Kontakt: Vala 9, HR-52446 Nova Vas.
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Inhalt

Einleitung
Inländer
  Identität
  Wörter
  Berufswahl
  Behörden
  Formulare
  Kulturelle Einheiten
  Gesprächskultur
  Abstufungen
Zahlen
Politik
  Herrschende Ordnung
  Gesetze
  Einbürgerungsverfahren
  Abhängigkeit
Analyse
  Demokratie
  Grundrechte
  Geisteshaltungen
Schluss
  Nation Inland
Anhang
Anmerkungen






Einleitung

Mitten im Leben stellte ich fest, dass ich immer nur Ausländer genannt wurde, und dass das alle ganz normal fanden. Seit meiner frühen Jugend wusste ich, dass ich jederzeit aus meiner faktischen Heimat ausgewiesen werden konnte, ohne dass ein rechtsstaatliches Einspruchsrecht dagegen bestand. Das war meine Initiation als Ausländer. Wenn das Gesetz die Möglichkeit vorsieht, mich wie eine Wanze zu zerquetschen, bin ich nichts wert.

Ich bin entsetzt über die Erkenntnis, dass mir mein Leben gestohlen wurde. Ich hatte nie eine Chance, ein Leben zu führen wie alle anderen. Ich war kein Ausländer, ich wurde immer nur so genannt. Woher meine Eltern stammen, wie ich heisse, spielt keine Rolle. Die Schweiz ist meine faktische Heimat, und ich wurde da diskriminiert, seit ich denken kann. Das ist eine politische Frage.

Ich bin ins Exil gegangen; so kann ich überhaupt darüber sprechen.

Wir werden den Begriff Inländer beleuchten. Inländer sind Menschen, die als Ausländer aufgewachsen sind; dabei ist Heimat dort, wo man aufgewachsen ist. Inländer sind Menschen, die ihr Leben lang immer nur Ausländer genannt werden. Sie leben in nicht ihrer Welt, eine eigene haben sie nicht.

Nach meinen Kenntnissen gibt es Inländer nur in der Schweiz. Überall sonst besteht die Möglichkeit, sich für die Staatsbürgerschaft zu entscheiden.


Inländer

Ein Ausländer ist jemand, der in ein anderes Land gegangen ist. Ein Inländer lebte immer nur in demselben Land. Ein Ausländer wuchs in seiner Heimat auf, er beherrscht die Sprache und kennt sich da aus. Ein Inländer kennt nur das Land, das ihn einen Fremden nennt.

Ein Ausländer bleibt mit seiner Heimat verbunden und verzichtet im Ausland auf Ansprüche, die Menschen in ihrer Heimat stellen. Er wird im Gastland immer ein wenig fremd bleiben. Er wird nie mit einem Einheimischen verwechselt.

Ein Inländer kennt das Land, dem er zugeschrieben wird, nicht besonders. Er beherrscht die Sprache da nicht. Er hat nie da gelebt. Ihm fehlen alle Fähigkeiten und Kompetenzen, um da zu leben. In dem Land, dem er zugeschrieben wird, wäre er praktisch ein Analphabet.

Dort, wo er lebt, wo er immer nur gelebt hat, wird er durch Zuschreibung, durch Erwartungen, zur spezifischen Haltung Ausländer sozialisiert. Während seine Freunde zum Ende der Jugend einen Beruf wählen, einen Lebensentwurf aufstellen, besteht der Lebensentwurf von Inländern darin, Ausländer zu werden. Wenn das die Lebensperspektive ist, Ausländer, Fremder, unfrei zu bleiben, so ist jede Karriere beendet, bevor sie begonnen hat. Die Persönlichkeitsentwicklung stoppt. Soll ich ein höchstgebildeter Ausländer werden? Soll ich ein reicher Ausländer werden? Gibt es mächtige Ausländer?

Für Inländer nimmt Heimat mit den Jahren, mit den Jahrzehnten ab, nicht zu. Jedes Kind wächst in seiner Heimat auf, das ist ganz natürlich, Heimat ist einfach dort, wo man aufwächst. Dieses Verhältnis bekommt im Teeniealter einen Knacks, man beginnt, die Realitäten zu verstehen. Die Persönlichkeit blockiert. Man wird immer fremder.

Inländer müssen ständig etwas beweisen; jedem Schweizer müssen sie beweisen, dass gerade sie nicht so sind, wie er das von Ausländern befürchtet; und haben sie es einem bewiesen, kommt der nächste, und das Beweisen geht von vorne los. Auf Inländern lastet ein ständiger Rechtfertigungsdruck; in keinem Moment des Lebens ist man so entspannt, wie Menschen zu hause sein können.

Inländer müssen sich darauf einstellen, dass sie immer zuhinterst anstehen werden; für sie werden nur die Reste übrigbleiben. Inländer sind da, um zu. Sie sind da, um den Schweizern zu nützen; sonst wären sie nicht da. Inländer sind da für die anderen, die sie Ausländer nennen. Haben Inländer echte schweizer Freunde, so von gleich zu gleich?

Inländer sein ist ein von aussen bestimmtes, von aussen festgelegtes Leben. “Sie sind ein Ausländer, sie können ja…” Die anderen weisen einem einen Platz zu, der ihnen nützt; der Inländer muss sich einfügen, er muss die anderen fragen, welches sein Platz ist. Das ist nicht ansatzweise Freiheit, das ist immer nur Abhängigkeit, Sklaverei.

Inländer sind einsame Menschen: die Eltern sind Ausländer, die Freunde sind Schweizer, die Inländer selbst sind beides nicht. Werden Inländer kleine Ausländer machen? Oder werden Ausländer kleine Schweizer machen? Was ist schlimmer?

Inländer sind in kleinen Familien aufgewachsen. Sie kennen ihre Oma, ihre Onkel nur vom Hörensagen: das sind Leute, die sie nicht erkennen würden, wenn sie ihnen auf der Strasse begegnen. Eltern, vielleicht ein Bruder oder eine Schwester, und sonst kein Verwandter weit und breit. Ausländer sind, wo sie fremd sind, besonderem sozialen Druck ausgesetzt; diesen tragen sie in ihre Familie. In der Familie von Inländern bläst ein kalter Wind, und ausserhalb ist nichts.

Ein Inländer ist ein Mensch, der im Bewusstsein aufwächst, dessen Lebenshintergrund ist, dass das nicht seine Welt ist. Zu diesem Umstand muss er sich stellen; dumme Menschen verdrängen es, kluge Menschen hingegen nehmen das sehr ernst. Inländer haben keine Hoffnung, dass sie jemals bestimmen könnten, dass dieses Fremdsein, dieser Ausschluss beendet würde – es wird nie aufhören, lebenslang. Ihre Eltern haben ein Leben gewählt und sind ausgewandert; die Inländer hingegen sind zu einem Leben als Fremde gezwungen. Inländer werden ihr Leben lang ihren Namen nicht ablegen können, der fremd klingt.

Inländer können in grösstem Wohlstand leben, im saubersten Land mit den bestorganisierten Systemen, aber in diesem Leben ist einfach keine Würde.

Identität

Da hat man also von seinen einunddreissig Jahren dreissig in der Schweiz verbracht. Da kommt ein Schweizer und fragt: “Und? Fühlst du dich mehr wie ein Schweizer oder mehr wie ein Jugo?” Verblüffung.

Es ist mir weder ein Schweizer noch ein Jugo bekannt, der sich so fühlt wie ich. Das kann nicht gemeint sein. Dass die Schweiz meine faktische Heimat ist, und alle anderen Länder nicht, ist ein Faktum, und nicht ein Gefühl.

Und wie fühle ich mich? Fühle ich mich wie jemand, der einen schweizer Pass besitzt? Wie jemand, der gepunktete Unterhosen trägt, während ich nur gestreifte trage? Wie fühlt sich so jemand? Fühlen sich alle gleich? Fühle ich mich wie jemand, der mich einen Fremden nennt? Wie jemand, der Menschen Ausländer nennt und verachtet? Oder fühle ich mich wie eine Gruppe von Leuten anderswo, die ich nicht kenne? Mit den ich nichts zu tun habe? Wie fühlen sich die?

Die Frage muss also lauten: “Und? Fühlst du dich mehr wie ein Einheimischer oder mehr wie ein Fremder?” Und die Antwort: “Ich fühle, dass ich in meiner Heimat Fremder genannt werde. Ganz nach eurem freien Ermessen.”

Eine schweizer Staatsbürgerschaft haben ist nicht dasselbe wie ein Schweizer sein. Eine kroatische Staatsbürgerschaft haben ist nicht ein Kroate sein. Aber Ausländer sein ist eine Staatsbürgerschaft nicht haben, und nur das.

Identität heisst gleich sein. Inländer sind nicht identisch mit Schweizern: Schweizer grenzen Inländer aus. Inländer sind auch nicht identisch mit Jugos: mit den haben sie keinen Umgang. Inländer sind auch nicht identisch mit Ausländern: diese haben andernorts eine Heimat. Inländer sind identisch mit Inländern.

Wörter

Die Muttersprache ist nicht die Sprache, die die Mutter sprach, als man ein Säugling war. Die muss man nicht sprechen. Die Muttersprache ist die Sprache, in der der Mensch denkt1. “Die Muttersprache ist das Haus des Seins”2, der ureigenste Zugang zu den Dingen der Welt. Die Welt erschliesst sich durch die Muttersprache.

Die juristische Heimat ist der Staat, von dem man seine Papiere hat. Dieses Land muss keine weitere Bedeutung haben. Der Ausdruck faktische Heimat orientiert sich an faktischen Realitäten. Es ist die Gegend, die man kennt, wo man aufgewachsen ist, die man liebt.

Diskriminierung heisst Unterscheidung. Wer diskriminiert wird, wird unterschieden, also anders behandelt. Erst dann kommt Benachteiligung oder Bevorzugung.

Die Muttersprache von Inländern ist Schweizerdeutsch. Die Schweizer nennen also Menschen Ausländer, deren Muttersprache Schweizerdeutsch ist. Ausgerechnet!3 Die faktische Heimat von Inländern ist die Schweiz. Dürfen Ausländer ihre Heimat lieben? Inländer werden in ihrer faktischen Heimat von Schweizern unterschieden, sie werden anders behandelt, also diskriminiert.

Das Wort Integration meint das Zusammenfügen von Teilen zu einem neuen Ganzen, dessen Fläche von allen Teilen mitbestimmt wird. Integration ist also eigentlich eine Forderung an das Ganze, sich zu erweitern, allen Teilen Platz einzuräumen. In der Schweiz gibt es das offensichtlich nicht: nur die Schweizer bestimmen, was die Schweiz ist, wie die Ausländer zu sein haben, die da leben wollen. Das Ganze der Schweiz erweitert sich nicht um die Ausländer. Ausländer werden nicht integriert.

Assimilation meint Angleichung. Was heisst das? Ausländer sollen doch bitte fremdartige Sitten ablegen; in der Schweiz lebt man so und so. Was man in der Schweiz nicht tun darf, steht jedoch im Strafgesetzbuch; da braucht es nicht Assimilation. Inländer haben keine Sitten aus ihrer juristischen Heimat, da sie nie da gelebt haben. Alle Haltungen, die Inländer entwickelt haben, haben sie als Ausländer in der Schweiz entwickelt. Alle Haltungen, die Inländer entwickeln konnten, teilen sie mit Schweizern.

Schöne Angleichung: Inländer dürfen sich nicht gleich verhalten wie Schweizer. Sie müssen sich verhalten, wie das von Ausländern erwartet wird. Ich assimiliere mich als Ausländer, indem ich darauf bestehe abzustimmen. Oder indem ich sage, das sei mein Land, indem ich mir einen grossen Hund anschaffe.

Bleibt höchstens Absorption. Lass dich verschlucken. Falle nicht weiter auf. Verleugne dich. Sei niemand. Sei nichts.

Berufswahl

Die freie Berufswahl ist nicht von ungefähr ein Allgemeines Menschenrecht, schliesslich kann man seine Talente nicht wählen.

Ausländer haben in ihrer Heimat ihren Beruf frei, im Rahmen ihrer Fähigkeiten und Leistungen, gewählt und sind dann ins Ausland gezogen. Inländer hatten nie die Gelegenheit, ihren Beruf frei zu wählen. Ausländer sind, was immer sie sind, woanders geworden, Inländer sind es nicht geworden.

Von gewissen Tätigkeiten sind Inländer vom Gesetz ausgeschlossen, von anderen durch gesellschaftliche Realitäten. Wäre das nicht so, so wäre der Anteil an Anwälten, Polizisten, Medienschaffenden, Führungskräften, Künstlern und so weiter genau so hoch wie der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung. Wenn wir die Berufe grob in die drei Klassen Muskeln, Zahlen und Worte einteilen, so sind Inländer von den Worten faktisch ausgeschlossen.

Inländer haben genau die Möglichkeit, denjenigen Beruf frei zu wählen, den ihnen Schweizer zuweisen; das ist keine Möglichkeit, sondern das Gegenteil davon. Die Schweiz ist das Land für die Schweizerinnen und Schweizer. Ausländer in der Schweiz sind ebenfalls für die Schweizerinnen und Schweizer.

Die Berufswahl ist nicht losgelöst, sondern ein Bestandteil des Lebensentwurfs, des Bilds von sich und seinem Leben. Ausländer zu sein, ist ein aufgezwungener Lebensentwurf. Wer nicht Ausländer werden will, will auch keinen Beruf für Ausländer.

Ausländer müssen sich einfügen. Was heisst das? Darf ein Ausländer gegen Schweizer kämpfen? Darf er sich vor sie drängen, ihnen etwas wegnehmen? Das ist etwa Wirtschaft, Macht. Und wenn er die Schweizer für unbegabt oder für lahm hält? Oder ist es nicht vielmehr so, dass angesichts von Ausländern die Schweizer ihre Phalanx schliessen? Obstruieren Schweizer Ausländer? Werden Inländer durch Zuschreibung geschädigt, damit auch kleine Schweizer einen Stich machen können?

Behörden

Behörden werden Inländer Ausländer nennen, wann immer sie können. Behörden behandeln Schweizer und Ausländer nicht gleich. Inländer können in zentralen Bereichen keine Ansprüche geltend machen, sondern sie müssen immer bitten, betteln, ersuchen, wünschen; Behörden entscheiden nach freiem Ermessen; Inländer müssen dankbar sein.

Behörden massen sich das freie Ermessen Ausländern gegenüber in folgenden Fragen zu, das heisst, Inländer haben in folgenden Fragen keine Rechte, das heisst, Inländer sind in folgenden Fragen Abhängige: Erteilen und Verlängern der Aufenthaltsbewilligung, Arbeitsbewilligung, Wohnsitzwechsel, Ausweisung, Einbürgerung. Inländer haben niemals, keine Sekunde ihres Lebens, ein Recht, in ihrer faktischen Heimat zu leben, sondern sie haben immer nur eine Aufenthaltsbewilligung nach freiem Ermessen. Diese muss alle drei Jahre verlängert werden, was faktisch von Bedingungen abhängig gemacht wird.

Die grösste Bedrohung für die Sicherheit von Inländern in ihrer faktischen Heimat ist die Fremdenpolizei. Das ist ein objektives Faktum, andere Bedrohungen sind nicht erkennbar. Fremdenpolizei sind Unbekannte, die Macht haben, und mit den man nicht reden kann. Die maskieren sich und schlagen zu.

Das kann einem die Haltung für's ganze Leben versauen: die Polizei ist a priori die Gegenseite, da kann man noch so harmlos sein. Polizei schützt nie mich, sondern vor mir.

Formulare

Ein Beispiel für die permanente Erniedrigung, der Inländer in der Schweiz ausgesetzt sind, ist die “Verfallsanzeige Ausweis C”. Für stumpfe Menschen ist das sicher kein Problem, aber man kann auch verstehen, was da steht. Inländer bekommen alle drei Jahre ein Formular zugestellt, die Verfallsanzeige Ausweis C. Das füllen sie aus und legen es zusammen mit Pass und Ausländerausweis der Fremdenkontrollstelle der Gemeinde vor, auf dass der letztere verlängert werde.

Das Formular wird landläufig als “Verlängerungsgesuch” bezeichnet, der Inländer wird darin “Gesuchsteller” genannt. Ein Gesuch kann bewilligt oder abgelehnt werden. Inländer müssen also regelmässig darum ersuchen, darum bitten, zu hause bleiben zu dürfen. Dazu muss jedesmal die Fremdenpolizei Stellung nehmen, wofür sich Platz am Ende des Formulars befindet. Inländer werden also in ihrer faktischen Heimat a priori Fremde genannt, nicht nur Ausländer, sondern auch Fremde; wem sich die Fremdenpolizei aufdrängt, der wird Fremder genannt.

Die Einleitung lautet “Die Kontrollfrist Ihrer Niederlassungsbewilligung läuft demnächst ab. … Der Niedergelassene muss seinen Ausländerausweis … der zuständigen Behörde zur Verlängerung vorlegen.” Die erste Auslassung beträgt genau einen Satz. Im ersten Satz wird man persönlich angesprochen, und bereits im dritten wird in der dritten Person gesprochen wie über einen Hund.

Der Kern des Formulars ist die bemerkenswerte Frage “Jetziger Aufenthaltszweck”. Die erlaubten Antworten sind vorgegeben und lauten: “erwerbstätig”, “auf Stellensuche”, “Rentner/in”, “Kuraufenthalter/in”, “Schulbesuch”, “Studium”, “Familienangehörige(r)” und “Übrige(r) Nichterwerbstätige(r)”, wobei die einzelnen Punkte noch weiter unterteilt sind.

So! Der Aufenthaltszweck darf zwar wechseln, aber vorgeschrieben ist, dass da immer genau einer ist, nicht drei, nicht null, einer, und zwar ausschliesslich.

Wer einen Aufenthaltszweck hat, hat einen Zweckaufenthalt. In “Aufenthalt” findet sich “sich aufhalten” und “sich enthalten”. Ein Aufenthalt beginnt, dauert, endet. Ist denn etwa Familienangehörigkeit ein Zweck? Ein Zweckaufenthalt ist nicht eine Existenz, sondern das Aussetzen davon. Eine Existenz ist ein Selbstzweck, und nicht ein Mittel zu einem anderen Zweck. Man lebt um zu leben.

Inländer werden gezwungen, sich all dessen zu enthalten, was Heimat ausmacht, was Existenz ausmacht. Inländer leben in der dauernden Gewissheit, dass ihr Leben in ihrer faktischen Heimat, ihr Aufenthalt, enden kann, ganz nach freiem Ermessen derer, von den sie abhängig sind. Dass Inländer anderswo eine Existenz hätten, widerspricht faktischen Realitäten. Dass Inländer keine Existenz hätten, ist beleidigend, ist entwürdigend.

“Sie sind ein Ausländer. Sie sind ein Fremder. Sie sind ein Gesuchsteller. Sie sind ein Zweckaufenthalter.” Es macht krank.

Inländer werden gezwungen, ihr ganzes Leben als einen Zweckaufenthalt zu bezeichnen und das mit ihrem Namen zu unterschreiben. Inländer werden gezwungen, regelmässig darum zu bitten, in ihrer faktischen Heimat bleiben zu dürfen. Das verstösst gegen den entsprechenden Artikel des geltenden Ausländerrechts, wonach die Niederlassungsbewilligung zeitlich nicht begrenzt ist und nicht mit Bedingungen verbunden sein darf, und gehört vor Gericht.

Kulturelle Einheiten

Wir versuchen eine kulturelle Topologie der Schweiz. Die Idee der Schweiz ist, dass es Fremde im Land hat. Die verschiedenen schweizer Kulturen haben wenig gemeinsam, ausser dass sie eben die Schweizer sind, all diesen Ausländern gegenüber. Die Kultur der Schweizer bestimmt sich in der Abgrenzung gegenüber den Ausländern.

Eine kulturelle Einheit bilden die Ausländer. Sie alle teilen sich bestimmte Haltungen und Werte – die Haltung des Ausländerseins. Ausländer sind oft mit ihrer Heimat verbunden und somit in der Schweiz in nationalen Subkulturen verwoben.

Inländer teilen sich ebenfalls einen kulturellen Hintergrund und bilden so einen Einheit. Inländer sind nicht Ausländer und nicht Schweizer. Sie leben in ihrer faktischen Heimat als Ausländer.

Wir finden also Schweizer, Inländer und Ausländer. Schweizer sind in der Schweiz aufgewachsen und sind da Bürger. Inländer sind ebenfalls in der Schweiz aufgewachsen, aber keine Bürger. Ausländer sind im Ausland aufgewachsen und dort Bürger. Wir finden also drei grundverschiedene Einheiten.

In der Öffentlichkeit kommen Ausländer und Inländer nicht vor, höchstens als Objekte, die stören. Aus der Öffentlichkeit sind zwanzig Prozent der ständigen Bevölkerung ausgeblendet, und zwar die, zu den ich gehöre. Was für Zeitungen machen Inländer, worüber schreiben sie? Welche Fernsehsendungen machen Inländer? Sind Inländer überhaupt in den Medien tätig? Welche politischen Themen interessieren Inländer? Welche Ansichten vertreten sie etwa in Diskussionsforen?

In der Öffentlichkeit kommen Inländer nicht vor. Mit wem soll sich ein junger Inländer identifizieren? Schweizer sind die anderen, Ausländer sind auch andere. Inländer sind ein niemand. Niemals ist es ein Inländer, wenn man von einer Person hört; statt dass etwa jeder zwanzigste Name der eines Inländers wäre, ist es keiner, null. Inländer leben in einem kulturellen Vakuum.

Gesprächskultur

Wie wird in der Schweiz über das Wort Ausländer gesprochen? Zunächst ist es merkwürdig, dass das Wort Inländer oder ein entsprechendes nicht vorkommt. Ausländer ist Ausländer. Das Wort ist eine Marke, kein Inhalt. Man weiss schon gar nicht mehr, was es heisst. Aber man wirft lautstark damit umher.

Wenn man einen Schweizer fragt, sind Ausländer immer andere Ausländer. “Diese Ausländer, die in unser Land kommen, man weiss ja, dass sie …. Aber Sie sind ja nicht so. ” Immer dieses lautstarke Gepolter: “Diese Ausländer!”

Menschen mutieren zu Schweizern, Freunde zu Landesverteidigern. “Du wirst nicht diskriminiert Du bist Ausländer, also gehörst du diskriminiert.” Im gleichen Atemzug.4 “Gefällt es dir in der Schweiz etwa nicht?” “Wenn es dir hier nicht passt, kannst du ja in deine Heimat zurück.”

Ausländer ist angeblich nicht eine Zuschreibung, sondern ein Schicksal. Einmal Ausländer, immer Ausländer. Schweizer werden hingegen ist angeblich ein Privileg für besondere Verdienste.

Es gab dümmliche Schweizer, die sich dem Autor gegenüber zur Aussage erblödeten, nach dreissig Jahren in der Schweiz sei dieser “ja fast schon ein Schweizer”. Was heisst das? Hätte er noch ein wenig zulegen oder abgeben müssen? Sind Schweizer mehr oder weniger?

Auffällig ist übrigens die strikte, affektgeladene Leugnung der Inhalte des eigenen Ausländergesetzes. “Kann nicht sein. Du lügst! Wenn es dir hier nicht passt…” Da hat wieder mal ein Volk von nichts gewusst.

Inländer haben eine bestimmte Art, über ihr Ausländersein zu schweigen. “Ich wurde immer gut behandelt. Was willst du, du kannst arbeiten und Geld verdienen. Demokratie ist eh Unsinn. Die Welt, die Schweiz ist halt so.” Punkt. Die Unmündigkeit wird zur Tugend erhoben, Resignation, sie schicken sich ins Minderwertigsein. Das ist Angst vor Vertreibung.

Die Schweiz ist deshalb ein ruhiges friedliches Land, weil da zwanzig Prozent der Bevölkerung in stiller Angst vor Vertreibung leben.

Come on, Inländer, nennt die Dinge doch beim Namen! Es ist so und so. Da gibt es kein Umdeuten, kein Ausweichen, kein Verdrängen. Wenigstens im Kopf könnt Ihr so frei sein, wie Ihr wollt!

Die schweizer Gesprächskultur bestimmt sich dadurch, dass über alles vernünftig und sachlich gesprochen werden kann, ausser über die Schweiz.

Abstufungen

Wir geben zu, dass die Problematik dadurch vernebelt wird, dass es Ausländer gibt, die mehr Ausländer sind als andere. Es gibt Ausländer, die sind richtig chic. Viele Ausländer haben gelernt, mit dem Finger auf die zu zeigen, die noch mehr Ausländer sind.

Ein Schimpanse, der von Menschen aufgezogen wurde, hat mal gelernt, Fotos von Menschen auf den linken Stapel zu legen und Fotos von anderen Schimpansen auf den rechten. Sein eigenes Foto legte er auf den linken Stapel.

Das sind Modeströmungen. Die Schweizer haben jeweils ihre Lieblingsausländer von hinten her, die sie “nie einbürgern würden”. Früher waren es Tschinken, heute Jugos, wer wird es morgen sein?

Nun, man muss nicht dumm sein, um ein guter Ausländer zu sein, aber es wäre besser. Die besten Ausländer sind diejenigen, die sich fast schon für Schweizer halten, diejenigen, die ihr Foto auf den linken Stapel legen.


Zahlen

Die nachfolgenden Zahlen geben Grössenordnungen und Verhältnisse korrekt wieder, aber nicht Nachkommastellen. Sie speisen sich aus sorgfältig aufgeschnappten Angaben der Jahre 1998 bis 2000.

Die Schweiz hat rund sechs Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Davon sind rund zwanzig Prozent Ausländer, also über eine Million. Die Ausländerquote betrug vor hundert Jahren ebenfalls rund zwanzig Prozent. In der Schweiz wird also traditionell jeder fünfte Mensch Ausländer genannt.

Von allen Ausländern leben etwa die Hälfte, etwa sechshundert tausend schon so lange in der Schweiz, dass sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, um ein Einbürgerungsgesuch stellen zu dürfen. Zehn Prozent der Bevölkerung könnten eingebürgert sein, sind es aber nicht. Das lässt eine Zahl von über dreihundert tausend Inländern begründet erscheinen. Dreihundert tausend Menschen in der Schweiz wurden ihr Leben lang in ihrer faktischen Heimat diskriminiert.

Wir sprechen in diesem Text von vielleicht dreihundert tausend Menschen. Pro Jahr werden rund zwanzig tausend Menschen eingebürgert. Das ist fast niemand. Das heisst, dass selbst Inländer nach vierzig Jahren in der Schweiz nicht eingebürgert sind. Die meisten Einbürgerungen betreffen vermutlich Frauen aus der Dritten Welt, die von Schweizern geheiratet werden.

Geschätzt sind also die Hälfte der Bevölkerung mündige Bürger und weniger als die Hälfte mündige Bürger mit schweizer Ahnen. Die andere Hälfte sind Ausländer und Unmündige. Das ist eigentlich falsch: Schweizer Bürger müssen nicht mündige Menschen sein, es reicht, wenn sie so genannt werden.

Da diejenigen Berufe, die nicht aktiv Wohlstand produzieren, meist von Schweizern gehalten werden, tragen Ausländer überproportional zum Wohlstand bei. Schätzen wir einen Drittel: einen Drittel des schweizer Wohlstands haben Ausländer gemacht.

Von den Professoren an Hochschulen und Universitäten sind etwa ein Drittel Ausländer. Diese Zahl ist irreführend: wieviele Inländer sind in der Schweiz je Professor geworden? Wieviele Professoren sind Inländer? Diese Professoren sind in ihrer Heimat Professor geworden und dann in die Schweiz gegangen. Inländer in der Schweiz hingegen sind auf akademischen Laufbahnen untervertreten.

Übrigens weisen diese ausländischen Professoren eine eigenartige Unwucht aus: die klügsten Köpfe des Landes haben in der Öffentlichkeit nichts zu sagen. Sie dürfen nicht mal über die simpelsten Sachfragen demokratisch mitentscheiden, und jeder ungebildete Schweizer darf. Wie muskelbepackte Eunuchen.

Es mag bestimmte Gruppen von jungen Ausländern geben, die verglichen mit der schweizer Gesamtbevölkerung, also verglichen mit schweizer Pensionären, eine höhere Kriminalitätsrate haben. Grundsätzlich leben viele Ausländer in Angst: die Kriminalitätsraten der Ausländer insgesamt ist geringer als die der Schweizer, sie sind gesetzestreuer.

Alles in allem verlassen mehr Ausländer die Schweiz, als sie betreten, und die Bevölkerung sinkt. Es hat nicht immer mehr, sondern immer weniger Ausländer in der Schweiz.

Die Bevölkerung des Kantons Aargau ist im Jahre 98 erstmals gesunken. Peinlich; wie soll man da Wirtschaftswachstum machen, wenn die Ausländer weglaufen? Die Geburtenrate beträgt in der Schweiz etwa anderthalb Kinder pro Frau; das heisst, dass sich die Bevölkerung in hundert Jahren auf etwa drei Millionen halbiert haben wird – die letzten Reste des Schweizertums werden voraussichtlich in drei vier hundert Jahren weggespült, also genau zur Zeit von Star Trek. Die Ausländerinnen haben mehr Kinder als die Schweizerinnen, etwa zwei gegenüber eins komma vier.

In der Schweiz ist die Ausländerquote künstlich stark überhöht: in allen anderen Ländern wären ein grosser Teil schon lange Bürger. Etwa Deutschland hat rund zehn Prozent Ausländer; die Zahl, die hier fehlt, ist die der Einbürgerungen. Während Menschen, die nicht als Schweizer geboren sind, eine überproportionale, tragende Bedeutung für den Wohlstand in der Schweiz haben, also unentbehrlich sind, werden sie Ausländer genannt und sollen das gefälligst auch immer schön bleiben. Die Weltwoche titelte im Jahre 2000 – vermutlich als Selbstmordversuch – “Die Schweiz braucht Ausländer”. Pervers. Europäische Staaten brauchen Einwanderer.

Übrigens wenn wir schon bei Zahlen über die Schweiz sind, sei hier noch ein Tritt ans Bein erlaubt. Seit 1998 ist in der Schweiz der Kapitalgewinn grösser als die Lohnsumme. Kein Witz. Quelle: SFDRS, hastig und kleinlaut vorgetragen. Arbeitet nur weiter für Lohn.


Politik

Der Umgang mit Ausländern, oder sagen wir die Diskriminierung von Inländern, ist eine politische Frage. Ausländer genannt zu werden, ist kein Schicksal, sondern eine politische Entscheidung. Wir sprechen hier über Politik, über die Politik der Schweizerinnen und Schweizer.

Wenn Ausländer in der Schweiz von maskierten Polizisten geprügelt werden, so geht das alle Schweizer an. Kein Schweizer kann sagen, das gehe ihn nichts an: die Polizisten tun das für ihn, in seinem Namen, sie berufen sich auf ihn, und er bezahlt sie. Gibt es Schweizer, die sich über menschenverachtenden Umgang mit ihren Mitmenschen empören? Oder sind sie alle gleich?

Ausländer ist eine Marke, eine leere Hülse. Ein Ausländer ist bloss noch jemand, der diskriminiert werden kann, der ausgeschlossen ist, der in Abhängigkeit gehalten wird, Verfügungsmasse. Wir erinnern uns: eigentlich meint Ausländer jemanden, der in einem anderen Land lebt und sich ausnahmsweise hier aufhält. Touristen sind Ausländer. Zeitlich befristete Fremdarbeiter sind Ausländer. Einwanderer hingegen sind Menschen, die in ein anderes Land gehen mit der Option, den Rest ihres Leben dort zu verbringen. Ein Ausländer ist also eigentlich ein Mensch, der mit einem bestimmten Land verbunden bleibt, obwohl er sich gerade nicht da aufhält; jemand ist beispielsweise Russe, also in der Schweiz Ausländer. Ein Einwanderer ist jemand, der sein Land wechselt.

In der Schweiz ist alles anders. Ausländer wird man genannt. Die Schweizer bestimmen willkürlich, wen sie Ausländer nennen. In der Schweiz ist man etwa bloss Ausländer, also nicht etwa Kroate, also Ausländer, sondern nur Ausländer ohne Kroate. Etwa der Autor wurde in der Schweiz nie Kroate genannt, sondern immer nur bloss Ausländer. Niemals: “Sie sind ja ein Kroate.” Sondern immer nur “Sie sind ja ein Ausländer.” Niemand hat jemals angenommen, dass ich mit Kroatien verbunden geblieben wäre. Ist eh Unsinn: als ich von da verschleppt wurde, gab es noch kein Kroatien.

In der Schweiz sind vielleicht Andere Jugos. Was ist ein Jugo? Ein Jugo ist nicht jemand, der aus einer bestimmten Gegend stammt, die sich Jugo nennt. Jugos sind Horden, die gebrochen Deutsch sprechen und finster dreinblicken. Oder nicht mal das. Wenn sich Schweizer aufregen wollen, regen sie sich über die Jugos auf. Das geht so haarscharf am Kopf vorbei: man sitzt im Zug, und da vorne wird lautstark über Jugos gewettert; man ist nicht persönlich gemeint und doch gemeint. Natürlich wettern nicht alle Schweizer gewohnheitsmässig lautstark über Jugos. Aber dem Autor ist keiner bekannt, der da widersprechen würde.

In der Schweiz sind alle Ausländer in das Land gekommen. Was heisst das? Kommt jemand im Alter von zwei Jahren in die Schweiz? So nach reiflicher Überlegung, in Absicht, zu einem Zweck, mit dem Zug, als Zweijähriger? Die Unterscheidung entweder in der Schweiz geboren oder in die Schweiz gekommen ist brutal. Der Autor erklärt hiermit, dass er nie in die Schweiz gekommen sei, sondern er wurde im Alter von zwei Jahren ohne sein Wissen dahin verschleppt; er hatte nie die Möglichkeit, nicht als Ausländer in der Schweiz aufzuwachsen.

In der Schweiz sind Inländer Ausländer. Menschen, die immer nur an demselben Ort gelebt haben, deren Muttersprache Schweizerdeutsch ist, die ihre faktische Heimat lieben, werden Ausländer genannt. Menschen, die zu keinem anderen Land eine tatsächliche Beziehung haben, werden Ausländer genannt – welches Ausland?

In der Schweiz gibt es sehr viele niedergelassene Ausländer. Was heisst niedergelassen? Man lässt sich in seiner neuen Heimat nieder. Man lässt sich möglichst für den Rest seines Lebens nieder. Die Kinder sollen hier leben, und möglichst die Enkel. Man hat eine neue Heimat gefunden. Menschen sind also in der Schweiz niedergelassen und gleichzeitig gehören sie anderswo hin. Niedergelassene haben eine Aufenthaltszweck, sie haben sich niedergelassen und halten sich gleichzeitig zu einem Zweck auf. Sie haben eine neue Heimat gefunden, und sie werden gleichzeitig als Ausländer von dieser ausgeschlossen.

Die prächtigste Wortschöpfung in diesem Feld sind “niedergelassene staatenlose Ausländer”, wie sie von schweizer Gesetzen festgelegt sind. Man gehört nirgends hin, und dort, wo man niedergelassen ist, wo man eine neue Heimat gefunden hat, gehört man auch nicht hin. Ausländer sein ist nicht von einem anderen Land sein, sondern in Abhängigkeit gehalten werden. Es gibt in der Schweiz Menschen, die sind nur Ausländer, die sind überall Ausländer.

Wie ist das: müssen Juristen die Begriffe so lange definieren, bis niemand mehr weiss, was sie bedeuten? Bedeuten die Wörter gar nichts mehr? Das ist alles Sand in die Augen: wer eine Niederlassungsbewilligung hat, ist nicht niedergelassen, sondern er bleibt ein Zweckaufenthalter.

Herrschende Ordnung

Ausländer sind verpflichtet, sich in die “herrschende Ordnung einzufügen”, sonst können sie ausgewiesen werden. Was ist die gerade herrschende Ordnung in der Schweiz?

Die Reichweite des Ausdrucks herrschende Ordnung geht über alle gesetzlichen Bestimmungen weit hinaus. Was etwa verboten ist, wozu man so verpflichtet ist, steht in den Gesetzbüchern. Das ist aber nicht gemeint: Ausländer sind ebenso verpflichtet, sich an die Gesetze zu halten. Aber sie sind weit darüber hinaus verpflichtet, sich in die herrschende Ordnung einzufügen. Was heisst das?

Die Ordnung, die herrscht, ist einem stetigen Wandel unterworfen, sie wird gemacht, das nennt sich wohl etwa Demokratie. Schweizer müssen sich nicht in die gerade herrschende Ordnung einfügen, jedenfalls fordert das kein Gesetz von ihnen. Schweizer gestalten die Ordnung, die gerade herrscht. Ausländer hingegen müssen sich einfügen, das heisst, sie gestalten nicht mit.

Gut. Wenn sich Ausländer schon einfügen müssen, dann in was? Kein Schweizer kann abschliessend benennen, was diese Ordnung sein soll. Das ist eine Frage der elementarsten Rechtssicherheit. Man möchte schliesslich wissen, was alles man nicht tun darf, um nicht vertrieben zu werden. Man kann also aus Gründen vertrieben werden, die man nicht kennt, die niemand kennt.

Es gibt in der Schweiz Schweizer, die Ausländer vertreiben dürfen. Und wenn sie das tun, tun sie es für die herrschende Ordnung. Die herrschende Ordnung definiert sich im nachhinein aus den Begründungen, mit den Ausländer vertrieben werden von Schweizern, die das tun. Wunderbar.

Gegen derartige Vertreibungen besteht kein rechtsstaatliches Einspruchsrecht. Kein Gericht prüft, ob eine Vertreibung rechtens ist oder nicht. Wenn man vertrieben wird, so wird man willkürlich vertrieben.

Wenn Ausländer vertrieben werden, so werden sie das aus Gründen, die sie mit Schweizern teilen. Dieser Druck auf Ausländer ist ein Instrument, um Prozesse zwischen Schweizern zu beeinflussen, um gesellschaftliche Strömungen von Schweizern zu bekämpfen oder zu bevorzugen. Man schlägt den Sack und meint den Esel.

Die hier dargestellten Sachverhalte klingen monströs – sie sind es auch. Der Autor würde sich freuen, hier des besseren belehrt zu werden. Ich empfehle allen die sorgfältige Lektüre des Ausländergesetzes, am besten in einer Version, die einige Jahre alt ist.

Gesetze

Die Schweiz tut gut daran, ihre Ausländergesetzgebung dauernd ein wenig umzuschreiben, ein wenig zu vernebeln: so können die Grundzüge auch im Europa des dritten Jahrtausends aufrechterhalten werden.

Was sind “kulturfremde Ausländer”? Es sind per Definition “Nichteuropäer”. Was sind Europäer? Das sind Bürger von EU-Staaten. Wer also in der Schweiz aufgewachsen ist und Jugo genannt werden kann, ist also nicht nur Ausländer, sondern auch kulturfremd, und selbst nicht mal Europäer. Traditionell finden sich etliche Jugos in der Schweiz, aber kaum sagen wir Dänen; Jugos bestimmen also das kulturelle Bild der Schweiz mit; die Schweiz ist ein Land, in dem es Jugos hat; trotzdem dürfen Jugos kulturfremd genannt werden, Dänen nicht.

Das ist Rassismus pur. Sind Norveger kulturfremd, Schweden hingegen nicht? Die EU ist eine Wertegemeinschaft, die Mitglieder teilen bestimmte Werte. Wir werden weiter unten sehen, dass die Schweiz zentrale Werte der EU nicht teilt, dass also die Schweiz der EU gegenüber kulturfremd ist. Bis auf weiteres hat die Schweiz in der EU nichts zu suchen, und wir beglückwünschen die schweizer Reaktionäre zu ihrer ausgedrückten Selbsterkenntnis anlässlich der entsprechenden Volksabstimmungen.

Es kommen Tendenzen auf, Ausländer genau zu differenzieren. “Ausländer erster, zweiter, dritter, vierter Generation”. Kein Land der Welt hat Ausländer der vierten Generation. Nach offiziellem Sprachgebrauch können Ausländer ab der dritten Generation eine besondere gesetzliche Bestimmung in Anspruch nehmen. Wer kann in Anspruch nehmen? Menschen, die in der Schweiz geboren sind und nicht älter als fünfundzwanzig sind. In der Schweiz kann man also in einem Tag einen Generationensprung vollziehen. Das ist alles Sand in die Augen: Ausländer jeder formalen Generation können Inländer sein.

Interessant ist, wie Aussagen durch genauere Bestimmung in ihr Gegenteil verkehrt werden können. “Ausländer können…” Das heisst, sie können. “Ausländer können, wenn sie…” Das heisst, sie können nicht.

Inländer können jederzeit aus ihrer faktischen Heimat ausgewiesen werden, wenn das Vorliegen von dazu vorgesehenen Gründen erklärt wird. Diese Gründe müssen nicht nachvollziehbar sein. Ein Einspruchsrecht besteht nicht. Ausländer haben überhaupt keinen Anspruch darauf, sich in der Schweiz aufzuhalten, sondern sie sind erwünscht oder unerwünscht. Erwünscht von wem? – Erwünscht von Schweizern. Darin liegt eine gewisse Logik: de jure ist die Schweiz nicht ihr Land, sondern ein anderes; die Schweiz hingegen gehört den Schweizern, und nur ihnen.

Es besteht kein rechtsstaatliches Einspruchsrecht gegen lebenswichtige Verfügungen einer Polizeibehörde. Die Schweiz ist also insgesamt kein Rechtsstaat.

Inländer sind in der Schweiz aufgewachsen. Sie haben nie woanders gelebt. Sie haben die Fähigkeiten nicht, woanders zu leben. Das alles spielt de jure keine Rolle. Inländer können niemals ein Recht auf ein Leben in ihrer faktischen Heimat geltend machen, sondern sie haben immer nur eine Bewilligung nach freiem Ermessen von Polizisten.

Asylanten sind durch die Genfer Flüchtlingskonvention besonders geschützt, schliesslich werden sie ja in ihrem Herkunftsland gefoltert; Inländer nicht, sie waren ja noch nie dort, sie hatten sozusagen nie die Gelegenheit, in ihrer juristischen Heimat gefoltert zu werden.

Wie viele Inländer tatsächlich täglich aus der Schweiz ausgewiesen werden, spielt keine Rolle. Die Frage ist, wie die Schweiz mit Inländern spricht, womit sie droht. Die Frage ist, unter welchen Umständen Inländer gezwungen sind aufzuwachsen, was für eine Welt sie als ihre Heimat erleben. Es besteht kein rechtsstaatlicher Schutz vor Vertreibung. Folglich ist die Schweiz überhaupt kein Rechtsstaat. Die Allgemeinen Menschenrechte werden missachtet.

Einbürgerungsverfahren

Ein vernünftiger Inländer könnte anlässlich von Einbürgerungsgesprächen in schwierige Situationen geraten. “Wollen Sie Schweizer werden?” – “Was heisst werden? Wofür halten Sie mich denn jetzt?” – “Sie sind doch ein Ausländer.” – “So! Nichts weiter als Ausländer. Dann will ich zuerst Ausländer werden.”

Der Autor erklärt hier eidesstattlich, dass er niemals gefragt wurde: “Wollen Sie Kroate werden?” Oder gar “Wollen Sie Ausländer werden?” Der Autor besitzt eine kroatische Staatsbürgerschaft. Kein Mensch hält ihn für einen Kroaten. Die Schweizer nannten ihn Ausländer. Die Kroaten nennen ihn einen Schweizer.

Scheissleben: Die erste Hälfte wurde ich verachtet, weil ich angeblich ein Kroate bin, die zweite Hälfte werde ich gehasst, weil ich kein Kroate bin.

Eigentlich ist es ja klar, wen es einzubürgern gilt: Wessen Heimat ein Land ist, dessen Pass er nicht hat, bekommt einen. Wer voraussichtlich den Rest seines Lebens hier bleiben wird, braucht entsprechende Papiere, denn er kann nicht als Ausländer hier bleiben; als Ausländer kann er nur weggehen.

Wer bestimmte Bedingungen erfüllt, die vom Gesetz festgelegt sind, kann ein Einbürgerungsgesuch stellen; Schweizer entscheiden dann willkürlich darüber. Entweder die Stimmbürger der Gemeinde oder das Gemeindeparlament stimmen frei ab.

Das tönt pervers, ist aber so. Dem Autor ist kein anderes Land auf der Welt bekannt, das diese Praxis teilt. Überall sonst kann man sich für die Staatsbürgerschaft entscheiden, wenn man die gesetzlichen Bedingungen erfüllt. Nirgends sonst wird willkürlich abgestimmt.

Nochmal, weil es so schön ist: jemand erfüllt alle gesetzlichen Bedingungen für die Staatsbürgerschaft. Er stellt ein Einbürgerungsgesuch. Dieses wird nach Lust und Laune, ohne Kriterien, bewilligt oder abgelehnt. Die schöne Schweiz.

Das schweizer Gesetz sieht also vor, dass Entscheidungen, die für die Betroffenen lebenswichtig sein können, aus rassistischen Beweggründen erfolgen können. Die Schweizer bestehen auf ihren Rassismus.

Ein Inländer muss also erklären, dass er sich wünscht, Schweizer zu sein, oder noch besser: zu werden, und dann kann er eingebürgert werden oder nicht, ganz nach Lust und Laune. Er muss unbekannten Schweizern Macht über sein Schicksal einräumen. Er muss sein Schicksal in die Hand von Schweizern legen. Er muss sich ausliefern.

Seien wir offen: kein Mensch muss darum bitten, eine Heimat zu haben. Jedem Menschen steht eine Heimat zu. Alles andere ist entwürdigend, rassistisch. Inländer sind nie in die Schweiz gekommen. Niemand, der in der Schweiz aufgewachsen ist, hat das gewählt, niemand kann etwas dafür.

Die Erteilung des schweizer Bürgerrechts ist ein Privileg, das denjenigen zuteil werden kann, die den Schweizern genehm sind. Oder umgekehrt: wen die Schweizer einbürgern, der muss ein Depp sein. Die Allgemeinen Menschenrechte hingegen stehen jedem Menschen zu, weil er oder sie ein Mensch ist. Die Schweiz hat die entsprechende Charta unterzeichnet, aber die Schweiz gewährt die Allgemeinen Menschenrechte nicht, sondern nur Bürgerrechte nach freiem Ermessen. Selbstverständlich nehmen Inländer in ihrer faktischen Heimat die Allgemeinen Menschenrechte in Anspruch. Diese werden ihnen aber vorenthalten. In der Schweiz gibt es zwei Klassen von Einheimischen: Schweizer und Inländer. Wer ein Einbürgerungsgesuch stellt, befürwortet das.

Wer ein Einbürgerungsgesuch stellt, anerkennt damit die Willkür, er anerkennt, dass ihm die Allgemeinen Menschenrechte willkürlich vorenthalten werden dürfen. Wer ein Einbürgerungsgesuch stellt, verzichtet auf die Allgemeinen Menschenrechte. Dazu muss man ganz ausgesprochen dumm sein.

Wer ein Einbürgerungsgesuch stellt, übernimmt damit die Position des Nationalismus, er anerkennt, dass es keine Allgemeinen Menschenrechte gibt, sondern nur Rechte, die willkürlich von der Gruppe verliehen werden. Diese schicksalhafte Ungleichheit zwischen den Menschen anzuerkennen oder nicht, ist eine Gewissensfrage. Schweizer müssen diese Position nicht teilen. Inländer dürfen kein Gewissen haben. Nochmals: es ist ein Faktum, dass die Heimat von Inländern die Schweiz ist.

Man muss seine Person nicht dem Urteil von Schweizern unterwerfen. Seien wir offen: der Autor ist nach jahrzehntelanger genauer Analyse zur Erkenntnis gelangt, dass diejenigen Schweizer, die sich ein Urteil über andere Menschen anmassen, ein wenig zu klein sind, um dazu fähig zu sein. Stammtischler. Durchschnittler.

Die Praxis fällt erwartungsgemäss aus. Wenn über eine Nationalität letzte Woche etwas in der Zeitung zu lesen stand, werden Einbürgerungsgesuche abgelehnt. Türken und Jugos werden nach freiem Ermessen nicht eingebürgert. Moslems werden nach freiem Ermessen nicht eingebürgert. Wer auch immer sie sind. Wie gesagt, die Schweizer haben jeweils ihre Lieblingsausländer, die sie nicht einbürgern, und andere Ausländer legen ihr Foto auf den linken Stapel.

Und tatsächlich ist dem Autor kein einziger Inländer bekannt, der je im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ein Einbürgerungsgesuch gestellt hätte. Ausländer, also Menschen, die anderswo eine Heimat haben, stellen Einbürgerungsgesuche. Manche Inländer werden als Minderjährige von ihren Eltern durch das Einbürgerungsverfahren geschleust. Und viele Ausländerinnen werden von Schweizern geheiratet und eingebürgert.

Der Liebe Gott macht das genauso. Es gibt nicht den geringsten Anspruch auf einen Platz im Himmel. Wer in seinem Leben etwa die Zehn Gebote minutiös befolgte, kann dadurch keinen Anspruch geltend machen. In den Himmel kommt man nur, wenn man von Gott beschenkt wird, durch die Gnade Gottes.

Wir wollen übrigens damit aufhören, “Verständnis” zu haben für “Traditionen”, die die Grundrechte von Menschen betreffen, die sich nicht wehren können. Es fällt auf, dass hartnäckige Traditionen immer blutig sind. Wie jener junge Afrikaner am TV, der modern und zivilisiert aussah und Jeans und ein westliches Hemd trug und meinte: “Wir sind sehr moderne und zivilisierte Menschen, aber wir haben auch unsere Traditionen, und darum schneiden wir unseren Töchtern die Genitalien ab.” Wenn ein Volk Traditionen braucht, soll es Lieder singen.

Das Problem hierbei ist, dass die Völker immer gleich alle Tugenden – oder heute heisst das Ethische Werte – für sich in Anspruch nehmen. “Wir sind sehr modern und haben unsere Traditionen.” “Wir sind sehr tolerant, aber wir wissen immer, wer recht hat und wer nicht.” “Wir sind sehr humanistische Nationalisten.” “Im Krieg fallen wir für ein besseres Leben” – statt für den gewaltsamen Tod. So auch die Schweiz: die Schweizer pflegen eine humanitäre Tradition, und sie bestimmen nach rassistischen Erwägungen, wen sie einen Menschen nennen.

Abhängigkeit

Die schweizer Einbürgerungspraxis fördert einen Selektionsdruck in Richtung Unmündigkeit. Eingebürgert werden nur Menschen, die ihr Schicksal in die Hände von Durchschnittlern legen. Dazu muss man sich selbst für unmündig halten. Eine Population ist kontrollierbar, wenn ihre Varianz klein ist, wenn die Menschen nicht selber bestimmen, wer sie sind.

Die höchste Tugend für Ausländer ist die Unauffälligkeit. Ja nie auf sich aufmerksam machen. Ja nie irgendeinem Schweizer irgendwas zu meckern geben. Schweizer meckern, wo immer sie können – wer auch immer sie sind.

Ausländer werden von den Schweizern in Abhängigkeit gehalten. Sie dürfen nicht. Schweizer bestimmen, was Ausländer tun, wer Ausländer sind, was Ausländer bekommen. Schweizer entscheiden, ob ein Ausländer je Schweizer wird. Schweizer werden können nur Ausländer, die immer nur Schweizern zu diensten waren.

Die Charakterzüge, die zu einem Leben als Ausländer passen, heissen materielle Gier und Opportunismus; die, die nicht passen, Verantwortung oder Interesse.

Ausländer leben nicht in Freiheit. Sie werden in Abhängigkeit gehalten. Auch wenn vielleicht die Schweizer von Natur aus unfreie Menschen sind, so hätten sie wenigstens die Möglichkeit. In der Schweiz finden sich traditionell zwei Klassen Menschen: sozusagen die Herrenrasse und die Abhängigen. Was genau ist der Unterschied zwischen Ausländern und Sklaven? Ist die Schweiz vielleicht die letzte verkappte Sklavenhaltergesellschaft auf europäischem Boden?

Wie sagt doch Albert Camus in “Der Fall”: “Wenn es schon nötig ist, sich Sklaven zu halten, so ist es doch besser, man nennt sie Ausländer.” Oder war das anders?

Was ist Sklaverei? Das Wesentliche an der Sklaverei ist nicht, dass man verkauft oder getötet werden darf. Das sind zeitbedingte Äusserlichkeiten. Als Sklaven getötet werden durften, durften auch andere Menschen getötet werden. Wenn heute keine Menschen getötet werden dürfen, ist der Schluss falsch, dass es keine Sklaven mehr gibt; sie sehen einfach anders aus, sie werden nicht getötet, sondern ausgewiesen. Das ist eine Frage von allgemeinen Standards und ein Frage der genauen Definition von Termini.

Das Wesentliche an der Sklaverei ist, dass man von anderen Sklave genannt wird und so behandelt. Sklave wird man durch Zuschreibung von Nichtsklaven. Man wird Sklave genannt, und dadurch ist man einer. Man wird Ausländer genannt, und dadurch ist man einer.

Das Wesentliche an der Sklaverei ist, dass über einen verfügt wird. Man ist nicht frei, sondern abhängig. Man hat keine Rechte. Die anderen haben Rechte. Die anderen verfügen.

Inländer haben kein Recht, in ihrer faktischen Heimat zu leben, sondern eine Bewilligung nach freiem Ermessen der Fremdenpolizei. Das Gesetz schreibt vor, dass die Fremdenpolizei alle Inländer in ständiger Abhängigkeit hält.

Kann es sein, dass ein derart hochorganisierter Staat nur möglich ist als Zweiklassengesellschaft? Brauchen die Schweizer Ausländer, die in Abhängigkeit leben? Wäre die Schweiz auch die Schweiz, wenn da nur Schweizer wären? Wäre die Schweiz auch die Schweiz, wenn Ausländer nicht in Abhängigkeit gehalten wären? Stellen wir uns vor, die Schweizer müssten selber…


Analyse

Vielleicht braucht ja jede Freiheit ihren Schatten, eine entsprechende Unfreiheit. Angestellte brauchen Arbeitslose, Besitzer brauchen die Armut, die Rechtschaffenen brauchen Sträflinge, Demokraten brauchen Ausländer, Niedergelassene brauchen Asylanten. Vielleicht sind die Zusammenhänge auch schräg: wo Rechte nicht eingelöst werden, braucht es Diskriminierte; weil Besitz nicht glücklich macht, braucht es Armut; wenn die Heimat nicht wärmt, braucht es Ausländer. Und vielleicht steht eh alles auf dem Kopf: die Armen brauchen die Unfreien, die Dummen die Armen, die Unfreien die Dummen.

Wenigstens die Neonazis, die Skinheads sind da konsequent: sie bekämpfen alle schwächeren, sie dulden niemanden unter sich, sie bestehen darauf, dass sie der Letzte Dreck sind.

Die Schweiz haben Ausländer gebaut. Die Schweiz wäre nicht das, was sie ist, wenn nicht traditionell immer wieder Menschen in das Land gekommen wären in der Hoffnung, sich ein besseres Leben erarbeiten zu können. Zum Anfang des neuen Jahrtausends merken sie vermehrt, dass sich die Hoffnungen nicht erfüllen, dass sie ihr Leben in Wohlstand als Fremde verschwendet haben – nichts bleibt haften, sie kehren nach Jahrzehnten als Fremde in ihre Heimat zurück. Dort mögen sie zwar Geld haben, aber kein Leben mehr.

Nun, die Gastarbeiter haben gespielt und verloren. Mit den Ausländern ist die Schweiz soweit quitt. Inländer hingegen sind nie in die Schweiz gekommen. Sie wollten nie Ausländer sein. Sie sind einfach nur als Kinder aufgewachsen wie alle Kinder überall auf der Welt. Diesen Menschen gegenüber hat die Schweiz eine Verantwortung. Diese Menschen werden von der Schweiz betrogen, um eine Heimat betrogen, um eine eigentliche Existenz. Jeder Mensch braucht eine Heimat.

Diese Thematik muss der allgemeinen Erörterung zugeführt werden, woraus sich eine Anklage gegen die Schweiz ergeben wird. Die Schweiz ist ein parasitäres System, das Leben stiehlt. Die Schweiz ist die Insel der Sirenen im Herzen Europas. Freie Menschen, verbindet Eure Ohren!

Demokratie

Demokratie dient in ihrer populären Fassung dazu, die Menschen in wirtschaftliche Herrschaftsverhältnisse einzuspannen, die nicht demokratisch sind. Vorne ein wenig Freiheit vorgaukeln, hinten die grosse Unfreiheit aufdrücken. Für Inländer heisst das: wozu sich anstellen lassen, wenn man dafür nicht mal abstimmen darf?

In der Schweiz herrschen fest gefügte Machtstrukturen, jeder Schweizer ist an seinem Platz oben oder unten. Alle Demokratie ändert die Machtstrukturen nicht; nach jeder Volksentscheidung bleiben die Verhältnisse zwischen den Menschen so, wie sie sind. Die richtigen Weichenstellungen finden nicht auf dem Parkett der Politik statt.

Ausländer sind a priori ganz unten. Eingebürgert werden nur solche, die sich schicken, unten zu sein, solche, die Schweizer fragen, wie sie ihr Leben verbringen sollen. Wer zu clever ist, wer Ambitionen auf einen Platz weiter oben hat, wird nicht eingebürgert. “Ich will Schweizer werden, damit ich besser andere Schweizer beherrschen kann.” – “Vergessen Sie's!”

Nun, wozu ein Volkskörper seine Demokratie braucht, ist im Grunde eine Frage der verpassten Chancen, oder eine Frage von Demagogen auf den Leim kriechen, von verblödet werden, von klein und dumm sein. Aber zum Glück gibt es die Ausländer. So hat auch noch der kleinste Schweizer ein wenig Macht über andere Menschen. Demokratie wird zur Farce, wenn sie dazu dient, Rassismus zu legitimieren oder Minderheiten zu schädigen.

Seien wir ehrlich: echte Demokratie ist gedacht für freie Menschen. Nach jeder richtigen demokratischen Entscheidung sind die Mächtigen etwas weniger mächtig und die Machtlosen etwas mächtiger.

Demokratie ist nicht, dass jeder irgendwo ein kleiner König sein darf und sich da Untertanen halten. Demokratie ist nicht, dass jeder an einem andern Ort Demokratie spielt, und hier andere.

Demokratie hat sich nicht erfunden. Es lässt sich nicht demokratisch entscheiden, was Demokratie darf.

Demokratie meint in ihrem Kern, dass alle Menschen ihren Lebensraum demokratisch mitgestalten. Eine wesentliche Geschmacksnote des Lebensraums ist die Staatsgewalt, die von Steuergeldern bezahlt wird. Die Frage ist, wie sich Staatsgewalt legitimiert.

Es lassen sich drei Begründungen für die Gewalt des Staates erkennen. In Islamistischen Staaten gründet die Gewalt auf Allah, also auf dem Absoluten. In Diktaturen wollen die Staatsorgane Gewalt ausüben. In Demokratien legitimiert sich die Staatsgewalt durch die Menschen, die die Demokratie bilden; die Menschen bestimmen Gesetze, und der Staat übt Gewalt im Rahmen dieser Gesetze aus. Für Ausländer sind alle Staaten Diktaturen.5

Je mehr Menschen von der demokratischen Mitlegitimierung der Staatsgewalt ausgeschlossen werden, umso weniger ist die Staatsgewalt legitimiert, umso unrechtmässiger ist sie.6

Demokratie ist die Pflicht, sich in die Äusserungen des Staats einzumischen. Die Demokraten übernehmen jeder für sich persönlich die Verantwortung für die Staatsgewalt. Ein Staat, der unlegitimierte Gewaltäusserungen tätigt, muss von seinen Demokraten bekämpft werden. Es lassen sich drei Positionen zu den Staatsgewalttätigkeiten erkennen. Man hat sich demokratisch dafür ausgesprochen und trägt die Mitverantwortung. Man hat sich dagegen ausgesprochen und ist demokratisch unterlegen. Man hat sich der Stellungnahme enthalten und trägt die Mitverantwortung. Es können also alle Schweizer persönlich verantwortlich gemacht werden für die Verhältnisse im Land. Alle Schweizer sind Rassisten oder sie haben sich dagegen gewehrt. Ausländer sind Rassisten gegen sich selbst. Inländer können in Anstand nur das Land verlassen.

Wer jemanden von der demokratischen Mitbestimmung ausschliesst, ist kein Demokrat. Und: Gesetze, die Willkür vorsehen, sind Unrecht und nicht Recht.

Demokratie muss Herrschaft der Bevölkerung heissen und die Tendenz zur Zerstreuung von Herrschaft meinen. In der Schweiz heisst Demokratie Herrschaft des Volkes. In der Schweiz herrscht die eine Hälfte der Bevölkerung über die andere. Das Volk ist traditionell nur ein Teil der Bevölkerung. Die Herrschaft des Volkes muss Ethnoarchie heissen. Die Herrschaft der Hälfte der Bevölkerung muss Hemikratie heissen.

Kann man sagen, alle Inländer in der Schweiz gehören zu demselben alteingesessenen Volk der Inländer?

Die Frage, was Freiheit ist, muss jeden Tag neu gestellt werden. Glaube ja keinem, der dir sagen will, was deine Freiheit ist. Ideologie sind die allzu vertrauten Begriffe. Man ist sich gewöhnt, dass alles richtig ist. Dabei ist das Selbstbild der Schweiz lügnerisch, und es kann nur durch Angst erhalten werden.

Grundrechte

Grundrechte sind individuell und unteilbar. Sonst sind sie keine. Das heisst, dass ein Rechtsstaat jedem einzelnen Menschen jedes einzelne Grundrecht zugestehen muss. “Du darfst nicht getötet werden.” – “Du darfst zwar getötet werden, aber die Mehrheit der Bevölkerung nicht.” – “Du darfst zwar Besitz erwerben, aber du darfst auch getötet werden.”

Die Grundrechte für jeden Menschen orientieren sich an der UN-Charta der Allgemeinen Menschenrechte.

In der Schweiz gibt es Menschen, den in lebenswichtigen Fragen kein rechtsstaatlicher Schutz zukommt. Menschen, die immer nur in der Schweiz gelebt haben, können ohne ein rechtsstaatliches Einspruchsrecht ausgewiesen werden. Sie haben kein Recht auf ein Leben in ihrer faktischen Heimat, nur eine Bewilligung nach freiem Ermessen von Polizisten. Die Schweiz ist also insgesamt kein Rechtsstaat.

In der Schweiz gibt es Menschen, den bestimmte Allgemeine Menschenrechte vorenthalten sind. Etwa das Menschenrecht auf Schutz vor Vertreibung. Etwa jenes auf rechtsstaatlichen Schutz. Etwa das Recht, nicht diskriminiert zu werden. Etwa demokratische Rechte. Die Schweiz gewährt also insgesamt die Allgemeinen Menschenrechte nicht.

Menschen, die immer nur in ihrer faktischen Heimat gelebt haben, einfach Ausländer zu nennen und ihnen Grundrechte zu verweigern, ist ein fauler Trick, der schon ethnoarchisch gewählte Diktatoren nach Den Haag gebracht hat. Das Argument, dass Ausländer andernorts Allgemeine Menschenrechte in Anspruch nehmen können, ist Unsinn, so lange sie nun mal nicht dort sind. Eine kleine Inselrepublik im Pazifik bietet das Stimm- und Wahlrecht jedem Menschen für zwanzig Dollar an – das entsprechende Allgemeine Menschenrecht ist also obsolet. Inländer haben immer nur in der Schweiz gelebt, und sie haben das nicht gewählt.

In dieser Frage ist nicht der geringste Spielraum möglich. Rechtsstaat ja oder nein. Allgemeine Menschenrechte ja oder nein.

Die Frage nach Menschenrechten ist nicht eine, die irgend welchen Juristen überlassen ist, denn diese sind nicht von sich aus auf die Idee gekommen. Es ist nicht eine Etikette, die den Menschen von aussen, von oben angeheftet wird. Es ist der Ausdruck davon, dass Menschen von innen heraus frei sind, dass Menschen denken können. Freiheit ist wohl ein Existenzial; man ist nicht Mensch, man kann nicht leben ohne Freiheit. Die Nationalität hingegen ist nicht ein Existenzial, sondern ein Attribut. Diese starre Gewohnheit, überhaupt in der Kategorie Nation zu denken, ist konditioniert, andressiert.

Freiheit ist nicht ein optionales Privileg. Wer das so sieht, befürwortet eine Mehrklassengesellschaft. Wer das so sieht, möchte gerne ein Sklavenhalter sein. Die Frage hilft, seine Feinde zu erkennen: wer dir die Grundrechte vorenthält, die er selber in Anspruch nimmt, ist dein Feind.

Die Allgemeinen Menschenrechte stehen a priori jedem Menschen zu, weil sie oder er ein Mensch ist. Sonst sind sie keine. Ihr Geltungsbereich ist die ganze Welt.

Bürgerrechte hingegen sind ein optionales Privileg. Man muss nicht Bürger sein. Bürgerrechte über die Allgemeinen Menschenrechte hinaus bestimmen etwa, wer Holz aus dem Gemeindewald haben darf, wer wo beerdigt wird, wer in der Kirche und in der Kneipe wo sitzen darf. Bürgerrechte sind nicht Menschenrechte.

Die Denkweise des Bürgerrechts ist ein Atavismus aus Zeiten, als noch jede Stadt ihre eigenen Automobile baute. Vielleicht kommt Bürger von Burg, Festung. Bürger halten die Burg, oder die Burg hält sich Bürger. Auf dass die Burg fortbestehe, opfern sich Bürger. Festung wie Firma, die Feste, dort läuft es ähnlich.

“Bürgerrecht” meint eigentlich: die Ebene des Subjekts7 ist vom Menschen auf die Gemeinde und weiter auf das Land verschoben, vom Menschen auf die Gruppe und weiter auf das Volk. Der Mensch ist in diesem Bild ein Bestandteil. Pfui, Ihr Bestandteile. Bürger sind Marionetten ihrer Burg. Die Gruppe führt die eigentliche Existenz, die Menschen fliessen bloss hindurch. Das Gemeinwesen ist ein Wesen. Der Mensch legitimiert sich durch seine Verfügbarkeit für seine übergeordnete Person. Seine Existenz ist nach oben delegiert und erschöpft sich in der Teilnahme.

Wenn sich die moderne globale Welt ernst nimmt, muss sie den Begriff des Bürgers abschaffen. Alle Menschen sind überall gleich viel wert. Demokratie kann nur heissen, mitzugestalten dort, wo man lebt.

Hier sei ein Witz erlaubt, der auf dem Geschwätz in einem englischen Fernsehfilm beruht. Rosencrantz: “Möchtest Du lieber tot oder lebendig beerdigt werden?” Güldenstern stutzt. “Hm … lebendig. Immer besser man lebt.”

Geisteshaltungen

Wer bin ich? Was ist der Mensch? Es ist nicht möglich, zu diesen Fragen keine Stellung zu nehmen, aber die Antworten können mehr oder weniger oder gar nicht ausdrücklich sein. Jeder Mensch hat ein Bild von sich, auch wenn er nicht weiss, welches. Ist der Mensch eine Maschine, die Funktionen fehlerfrei erfüllt? Ist der Mensch ein Tier, das auf Begierden und Umweltreize reagiert? Oder ist der Mensch vielleicht die Möglichkeit, dass Welt aufscheint? Fragen wir so: welches dieser drei Bilder kann diese Fragen überhaupt stellen?8

Oder wer bestimmt das Geschick der Menschen? Ist es wichtig, dass der Mensch ein selbstbestimmtes Leben führt, oder ist es besser, dass sich der Mensch der guten Organisation des Staates und der Gesellschaft unterordnet? Auch hier lautet die Antwort: der beste Staat funktioniert ohne Menschen.

Das sind religiöse Fragen im eigentlichen Sinne. Steht zwischen dem Menschen und Gott das Volk und sein Gesetz? Oder ist der Mensch selbst ein gottähnliches Wesen? Altes Testament oder Neues Testament? Gesetz oder Liebe? 9 Nun, wir sind Christen und machen geltend, dass je ich das, was mich wesentlich ausmacht, direkt von Gott habe; das Volk kann uns nichts wesentliches geben, es kann uns bloss etwas wegnehmen. Wenn der Mensch nichts taugt, sind auch drei Menschen nichts wert, oder tausende.

Kann ja sein, dass sich Ausländer dafür entschieden haben, dass es besser sei, in der schönen Schweiz zu unterst leben zu dürfen statt in ihrem ärmlichen Herkunftsland irgendwo in der Mitte. Aber in jedem Land bleiben mehr Menschen zu hause als auswandern, und es wandern auch Schweizer aus. Inländer haben sich nie dafür entschieden, zu unterst zu leben, sondern sie werden bloss diskriminiert und benachteiligt. Vielleicht haben Auswanderer zugunsten anderer Vorteile auf die Allgemeinen Menschenrechte verzichtet; Inländer nicht.

In der zivilisierten Welt stehen sich traditionell zwei Geisteshaltungen gegenüber. Die Allgemeinen Menschenrechte, wie sie in der UNO–Charta formuliert sind, sind ein Ausdruck der Denktradition des Humanismus. Die Menschen sind gleich. Die Menschen sind frei. Freiheit gibt es überhaupt, weil diese Möglichkeit im Menschen ist; wäre der Mensch nicht von sich aus möglich frei, so würde nun mal überhaupt niemand nur schon darüber sprechen.

Die Allgemeinen Menschenrechte, die Freiheit des Menschen und die Menschenwürde sind die besten Ideen der Menschheit, sie sind der Inbegriff aller Zivilisation. Wenn es überhaupt etwas gibt, wofür verantwortungsbewusste Menschen einzustehen haben, so ist es zuallererst genau das.

Demgegenüber behauptet der Nationalismus, dass der Einzelne seine Identität und seine Rechte von der Gruppe bezieht10. Was heisst das? Zunächst wohl, dass die Menschen verschieden wert sind. Gut; einigen wir uns darauf, dass die wertlosesten diejenigen sind, die solches vertreten.

Identität heisst Gleichheit, gleich sein mit. Um mit anderen gleich zu sein, braucht es zwingend andere, von da her ist Nationalismus und Identität tautologisch. Die Frage ist, wozu man überhaupt gleich sein muss. Und: wozu es die Nation, das Volk sein muss. Und: ob es das Volk überhaupt gibt, also ob die Besitzer der gleichen Pässe tatsächlich identisch sind. Die Varianz innerhalb jeder Population ist grösser als die Unterschiede zwischen Populationen. Ist nun mal so. Es geht nicht darum, dass etwa alle Schweizer gleich seien, sondern es geht um etwas anderes: die Schweiz, als Ausdruck in Anführungszeichen, ist ein Mythos, eine Geschichte, eine Idee. Wer keine eigenen Ideen kennt, benutzt fremde. Gewalt wird immer für Ideen ausgeübt, oder aus animalischen Gründen, oder – am brutalsten – in der Kombination.

Jemand besitzt eine deutsche Staatsbürgerschaft. Ist er deshalb ein Deutscher? Ein Deutscher ist jemand, der in Deutschland sozialisiert ist, jemand, der in Deutschland aufgewachsen ist und da lebt. Vielleicht. Man trifft einen Fremden auf der Strasse, und um ihn besser zu kennen, fragt man ihn, was für einer er denn sei. Er antwortet, er sei ein Krigise. Das ist nicht eine Aussage über ihn selbst – dadurch kennt man ihn nicht besser –, sondern eigentlich eine Aussage über alle anderen Kirgisen, dass sie so seien wie dieser hier, wie auch immer. “Ich weiss nicht, was für einer ich bin, aber alle Krigisen sind so wie ich.” Und: “Wir alle Kirgisen sind gleich.” Identität.

Und die andere Frage ist, wozu man gleich sein muss, um Rechte zu haben. Wer echt identisch ist, braucht keine Rechte, wozu auch? Wenn alle gleich sind, braucht es keine Demokratie, da muss man nicht alle fragen, es reicht, einen zu fragen. Dabei läuft das ja anders: man kann dem Menschen nicht Freiheit geben, aber man kann sie ihm wegnehmen – das nennt sich Gewalt. Nationalismus ist nicht die Frage, wer Freiheit bekommt, sondern wem man sie wegnimmt, wem man Gewalt antut, antun darf.

Nationalismus ist eigentlich nicht eine Geisteshaltung, sondern das Fehlen von Geist. Nationalismus ist der Ausdruck von tierischer Gewalt gepaart mit fremden Ideen. Vermutlich unterscheiden sich die Menschen genetisch in dieser Hinsicht; eine Versöhnung der Standpunkte steht nicht in Aussicht. Es gibt Menschen, die müssen unbedingt andere fragen, wer sie sind, und sie müssen Gewalt ausüben. Kleine Leute glauben, sie werden grösser, wenn sie andere verkürzen.

Die identitätsstiftende Gruppe hat die immanente Tendenz, sich nach innen zu homogenisieren und sich nach aussen unter Gewaltbereitschaft abzuschotten. “Wir sind wir und die anderen sind die anderen.” “Wer nicht zur Gruppe gehört, ist der Feind.” Die Gruppe wird zum Bündel. Im Bündel sind alle gleich, und sie treten nach aussen gebündelt auf. Das Bündel marschiert im Gleichschritt an die Front. Bündel wie Rutenbündel wie fasces wie Faschismus.

Bilder, die den Faschismus versinnbildlichen, sind etwa der Laserstrahl oder der gemähte Zierrasen.11 Das Symbol des Faschismus schlechthin ist die Kravatte, die von Kroate kommt12: der richtige Mann trägt seinen Galgen um den Hals. Den Faschismus erkennt man in der Auffassung des Volkskörpers: ein Volk wird als ein einheitlicher Körper aus verwandten Zellen erachtet. Zellen funktionieren im Funktionszusammenhang des Körpers, oder sie werden ausgestossen. Einer Zelle kommt keine Würde zu, sondern sie bestimmen sich aus ihrem Wert für den Körper. Wenn sie nicht mehr nützt oder dient, wird sie abgestossen. Hauptsache der Volkskörper gedeiht und ist sauber.

Hand auf's Herz: In der Schweiz ist die Würde des Menschen antastbar. Aber die Würde der Schweiz ist unantastbar.

An der Schweiz fällt auf, dass in ihrem Dialekt die Worte für “wir” und “man” so nahe beieinander liegen: “mir” und “mer”, oder für beides “mr”. Vor diesem Hintergrund lässt sich auch ihre Radfahrerhaltung, wie manche Schweizer sagen, besser verstehen, oder ihre Mentalität des Tretens und Kriechens. “Wen du treten kannst, den trete, wer dich tritt, vor dem krieche.” “Nein, wir sind keine Faschisten In der Schweiz ist das ganz normal. Möchtest Du eins auf die Nase?”

“Den Faschismus muss man bekämpfen, wo immer man ihn trifft.”13 Man ist schliesslich Mensch.

In der Schweiz stehen den Menschen Rechte nur nach freiem Ermessen der Gruppe zu. Die Gruppe schottet sich ab. Etwa Inländer haben kraft ihrer selbst keine Rechte an ihrer faktischen Heimat. Inländer haben ein anderes Leben als die Schweizer, mit den sie aufgewachsen sind. Sie werden unter Gewaltandrohung handfest benachteiligt. Die Grundlage des Systems Schweiz ist faschistisch. In der Schweiz trägt der Staat ganz schamlos diesen faschistoiden Ressentimentalismus. Damit steht die Schweiz ausserhalb der Wertegemeinschaft der EU.


Schluss

Welche Schlüsse sind aus all dem zu ziehen? Wer seine Kinder liebt, geht nicht in die Schweiz. Ausländer, verlasst die Schweiz. Inländer, wenn ihr talentiert und ambitioniert seid, werdet kriminell, sonst macht ihr keinen Stich; die Gesetze sind nicht für Euch, sondern gegen Euch. Gebt Euch einfach nicht mit ihnen ab – sie wollen ja unter sich bleiben.

Sprecht darüber. Lasst euch nicht diskriminieren. Fordert. Verlangt. Wenn sie euch nicht geben, was euch zusteht, dann sind sie der Feind. Kämpft gegen sie – ihr seid stärker.

Nation Inland

Inländer sind also Menschen, die sich eine eigenständige Kultur teilen. Sie haben keinen Bezug zum Land, dem sie zugeschrieben werden, und sie erleben den Kulturkreis, in dem sie leben, als den nicht ihrigen. Die Kultur der Inländer ist die Nicht-Ihre. Die politische Situation der Inländer ist die, dass einzig ihnen in ihrer faktischen Heimat elementare Menschenrechte vorenthalten sind.

Solange also Inländer von ihrer faktischen Heimat ausgeschlossen werden, müssen sie sich Heimat schaffen. Sie dürfen und sie müssen ihre Kultur formulieren. Was in der Schweiz definitiv fehlt, ist eine Zeitung von und für Inländer, beispielsweise ein ganz normales Wochenblatt für Wirtschaft, Politik und Kultur. Weiter brauchen Inländer endlich die Möglichkeit der politischen Profilierung. Jedem Inländer steht das Allgemeine Menschenrecht der politischen Betätigung im demokratischen Rahmen zu. Der Schweiz fehlt eine oder mehrere politische Parteien der Inländer; da diese strikt demokratisch operieren, wird sich zeigen, wie demokratisch die Schweiz der Schweizer ist.

Und so ist es nicht mehr weit zum Willen zum Staat. Es soll die Nation Inland ausgerufen werden. Ihr Staatsgebiet befindet sich in der Schweiz. Ihre Angehörigen können alle Menschen werden, deren faktische Heimat das Inland ist, und die da Ausländer genannt werden. Die Staatsform ist die der modernen, freiheitlichen pluralistischen Demokratie, ein Rechtsstaat auf Grundlage der Allgemeinen Menschenrechte, dessen Verfassung und Gesetze wo möglich mit den schweizerischen kompatibel sind. Es soll ein Parlament ernannt werden, das die Politik der Inländer formuliert und verwirklicht. Es sollen unter harter Gewaltanwendung seitens der Schweizer Pässe abgegeben werden.

Liberté, Égalité, Fraternité!




Anhang



Anmerkungen

1: Diese Definition stammt aus der Schweiz.

2: Heidegger präzisiert

3: Wem fällt auf, dass der vorliegende Text nach schweizerdeutscher Manier keine “ß” kennt? Hat, wer als Ausländer in der Schweiz aufgewachsen ist, wenigstens Deutsch gelernt?

4: Nennen wir diese Denkfigur den Intellektuellen Salto Mortale. Oder “Wir sind keine Rassisten In der Schweiz ist das ganz normal.”

5: Jemand, dessen Name mir entfallen ist, hat mal gesagt, “für Tiere sind alle Menschen Faschisten”.

6: Arithmetisch kann man wohl sagen, dass jedes schweizer Gesetz zu höchstens achzig Prozent gültig ist.

7: Subjekt hier in der weiteren Bedeutung als handelnde Person – Person in der weiteren Bedeutung wie etwa juristische Person – siehe den Text “Was ist Welt?” des Autors.

8: Hierzu empfiehlt der Autor seine Schrift “Was ist Welt?”

9: Siehe den Text “Gesetz oder Liebe” des Autors.

10: Ze'ev Sternhell in der Weltwoche

11: Wer seinen Rasen mäht, ist ein ganz kleiner Faschist. Wer im Büro arbeitet, bündelt einzelne Blätter in Faszikeln. Hackfleisch wird mancherorts faschiertes Fleisch genannt. Das übelste Wort von allen ist Faszi-nation. Der Sinn des 11.9. ist Faszination.

12: Das ist reiner Zufall.

13: Ernest Hemingway in “Wem die Stunde schlägt”